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Palliative Care

Palliative Care im Kanton Basel-Stadt bietet ganzheitliche Betreuung für schwerkranke Menschen, verbessert Lebensqualität, koordiniert medizinische und soziale Dienste und unterstützt Angehörige. Herr Prof. Dr. Gärtner und Frau Paulicke geben Einblicke in Ihre bisherigen Erfahrungen als Fachexperten.

Palliative Care Strategie

Palliative Care ist ein wichtiger Teil der Gesundheitsversorgung im Kanton Basel-Stadt. Sie unterstützt Menschen mit schweren oder unheilbaren Erkrankungen, mit dem Ziel, die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen sowie ihrer Angehörigen zu verbessern.

Seit 2013 verfügt der Kanton Basel-Stadt über ein kantonales Konzept zur Palliative Care. Nach mehr als zehn Jahren wurde dieses umfassend evaluiert, um zu prüfen, wie sich die Versorgung seither entwickelt hat. Die Ergebnisse zeigen, dass der Kanton Basel-Stadt über eine gut ausgebaute und breit abgestützte Palliative Care-Versorgung verfügt. Zudem hat sich gezeigt, dass in einzelnen Bereichen noch Entwicklungsbedarf besteht.

Auf Grundlage dieser Evaluation wurde im Jahr 2025 die Weiterentwicklung der kantonalen Palliative Care-Strategie erarbeitet. Die Erkenntnisse fliessen in die zukünftige strategische Ausrichtung des Kantons ein. Ziel ist es, das bestehende Angebot gezielt weiterzuentwickeln und die Versorgung langfristig zu stärken. Dazu gehören u.a. die Stärkung des bestehenden Leistungsangebots, die gesundheitliche Vorausplanung sowie die pädiatrische Palliative Care.

Angebot

Palliative Care wird sowohl in der Grund- als auch in der spezialisierten Versorgung angeboten. Sie findet in verschiedenen Einrichtungen statt, etwa in Spitälern, Alters- und Pflegeheimen, durch Spitexorganisationen oder bei Hausärztinnen und Hausärzten.

Mehrere Spitäler im Kanton verfügen über spezialisierte Palliative Care-Teams, die Patientinnen und Patienten sowie ihre Familien begleiten und unterstützen. Auch Pflegeheime bieten Palliative Care an.

Für Menschen, die zu Hause gepflegt werden, stehen mobile Angebote zur Verfügung. Ergänzend gibt es Beratungs- und Koordinationsstellen, die informieren, unterstützen und den Zugang zu passenden Angeboten erleichtern.

Begleitung von Anfang an

Wichtigkeit der Gesundheitlichen Vorausplanung

Gesundheitliche Vorausplanung (GVP) bedeutet, sich frühzeitig Gedanken über die eigene medizinische Behandlung zu machen. Dabei sollen Werte, Wünsche und Behandlungsziele für den Fall einer schweren Krankheit, eines Unfalls, bei Pflegebedürftigkeit oder am Lebensende schriftlich festgehalten werden. Besonders wichtig ist dies für Situationen, in denen man selbst nicht mehr entscheiden kann. Diese Fragen sollten gemeinsam mit der Hausärztin oder dem Hausarzt sowie anderen Fachpersonen besprochen werden. Die Angehörigen oder nahestehenden Personen sollten in die Gespräche einbezogen werden.

Die besprochenen Entscheidungen können schriftlich festgehalten werden. Dafür stehen verschiedene Dokumente zur Verfügung, etwa eine Patientenverfügung, eine ärztliche Notfallanordnung oder ein individueller Behandlungsplan.

Die gesundheitliche Vorausplanung schafft Klarheit für Patientinnen und Patienten, für Angehörige sowie für medizinische Fachpersonen. Sie hilft, medizinische Massnahmen am individuellen Willen der betroffenen Person auszurichten und schwierige Entscheidungen in belastenden Situationen zu erleichtern. So trägt sie dazu bei, dass Behandlungen auch dann im Sinne der Patientin oder des Patienten erfolgen, wenn diese selbst nicht mehr entscheiden können.

Wenn Heilung nicht möglich ist: Begleitung für Kinder/Jugendliche und Familien in der Region Basel

Wenn ein Kind oder Jugendlicher schwer erkrankt, verändert sich das Leben einer Familie oft von einem Moment auf den anderen. Sorgen, Unsicherheit und viele Fragen prägen den Alltag. Es ist gut zu wissen, dass Familien mit einem schwer kranken Kind oder Jugendlichen, in der Region Basel, nicht allein sind.

In dieser Situation ist es wichtig, dass Familien Unterstützung erhalten. In der Region Basel übernimmt das Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) eine zentrale Rolle. Das UKBB ist eines von aktuell vier zertifizierten Kompetenzzentren für pädiatrische Palliativbegleitung in der Schweiz, an denen Kinder und Jugendliche gemeinsam mit ihren Familien umfassend und ganzheitlich betreut werden. Ein pädiatrisches Palliative Care-Team aus Ärztinnen, Pflegefachpersonen, Psychologinnen und Sozialarbeitenden betreut und unterstützt die betroffenen Familien.

Viele Familien wünschen sich, dass ihr Kind möglichst viel Zeit zu Hause verbringen kann. Deshalb begleitet das UKBB-Team die Familien nicht nur im Spital, sondern vorrangig im häuslichen Umfeld. Sie übernehmen die Betreuung, Koordination und arbeiten eng mit Kinderärztinnen, Kinderärzten und Spitexorganisationen der Region zusammen.

Neben der medizinischen Versorgung steht immer auch die Unterstützung der ganzen Familie im Mittelpunkt. Eltern erhalten Beratung in schwierigen Situationen, und auch Geschwister werden einbezogen.

Ein Gespräch über Würde und Begleitung – Zwei Personen aus dem Alltag im Interview

Herr Prof. Dr. Jan Gärtner

Chefarzt Palliativzentrum, Facharzt für Anästhesie,
Palliativmedizin, spez. Schmerztherapie, Bethesda Spital.

Frau Christina Paulicke

Heimleiterin, Alters- und Pflegeheim Johanniter.

Herr Prof. Dr. Gärtner, Frau Paulicke, welche Besonderheiten und Dienstleistungen bietet Ihre Institution im Rahmen der Palliative Care an?

JG: Das Palliativzentrum Bethesda ist das grösste Zentrum der Nordwestschweiz. Es umfasst neben der Palliativstation auch die ärztliche Home Care für den Kanton Basel-Stadt im Rahmen des Mobilen Palliative Care Teams (MPCT). Ergänzend bieten wir ambulante und aufsuchende psychotherapeutische Begleitung sowie als einziges Zentrum eine Psychedelika-assistierte Therapie für schwer erkrankte Patientinnen und Patienten an.
Darüber hinaus engagieren wir uns in Forschung und Lehre und sind an nationalen und internationalen Projekten beteiligt. Dank Unterstützung des Kantons bieten wir die Anlauf- und Beratungsstelle (Palliativ-Info Basel) als niederschwelliges Informationsangebot für Betroffene, Angehörige und Fachpersonen an.

CP: Unsere Institution legt grossen Wert darauf, Menschen in der letzten Lebensphase ganzheitlich und würdevoll zu begleiten.
Ein erfahrenes interdisziplinäres Team betreut medizinisch, pflegerisch sowie psychosozial und spirituell. Individuelle Symptomlinderung und massgeschneiderte Pläne sichern Lebensqualität.
Angehörige erhalten Beratung und Unterstützung. Selbstbestimmung und Würde stehen im Mittelpunkt. Ruhige Räume schaffen Geborgenheit und ermöglichen eine respektvolle Begleitung bis zuletzt für alle Betroffenen gleichermassen.

Wie stellen Sie sicher, dass die Lebensqualität und die individuellen Wünsche der Betroffenen im Zentrum stehen?

JG: Wir haben eine sehr multiprofessionelle, offene und auch strukturierte Erfassung der Belastungen und Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten. Diese sind uns wichtiger als bestimmte Laborwerte oder andere Befunde. Vor allem aber nehmen wir uns Zeit. Eine Visite wird niemals im Stehen abgehalten, sondern wir setzen uns zu den Erkrankten. Manchmal schweigen wir auch gemeinsam. Aus der Stille heraus kommen oft diejenigen Themen, welche sie wirklich umtreiben. Manchmal brauchen die Betroffenen diese Zeit und den Mut, sie zu äussern.

CP: Wir verfolgen einen konsequent personenzentrierten Ansatz, bei dem Lebensqualität und individuelle Wünsche im Mittelpunkt stehen. In ausführlichen Gesprächen klären wir Bedürfnisse, Werte und Ziele. Advance Care Planning schafft klare Orientierung.
Regelmässige Fallbesprechungen und Evaluationen ermöglichen Anpassungen. Selbstbestimmung wird gefördert, Angehörige einbezogen. So steht stets der Mensch im Fokus und wird respektvoll begleitet.

Welchen Stellenwert hat das Mobile Palliative Care-Team (MPCT) für Ihre Institution?

JG: Ohne das MPCT könnten viele schwer erkrankte Menschen nicht in ihrer gewohnten Umgebung leben. Das MPCT ist häufig der Schlüsselfaktor zu einem Leben in den eigenen vier Wänden bis zuletzt. Oft ist aber allein das Wissen darum schon eine grosse Beruhigung und ein Schatz für Patientinnen und ihre Familien.

CP: Das MPCT ist ein Bestandteil unserer Versorgung. Durch aufsuchende Unterstützung in vertrauter Umgebung stärkt es die Sicherheit und Lebensqualität der Bewohnenden.
Zudem berät es unsere Pflegefachpersonen, unterstützt sie bei komplexen Situationen und koordiniert die Zusammenarbeit.

Wie erleben Sie die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Palliative Care im Kanton Basel-Stadt?

JG: Interdisziplinarität bedeutet die Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen. Diese haben wir in unserem Ärztinnenteam mit Innerer Medizin, Neurologie, Strahlentherapie, Schmerzmedizin und weiteren. Aber genauso wichtig ist die sehr gute Zusammenarbeit mit den Fachdisziplinen an anderen Standorten. Hier denke ich vor allem an die Hausärztinnen, die onkologischen Zentren im Universitätsspital Basel und Kantonsspital Baselland sowie die Altersmedizin im Felix-Platter Spital.

CP: Die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Palliative Care im Kanton Basel-Stadt ist gut strukturiert, stark vernetzt und konzeptionell gut entwickelt. Sie bleibt jedoch in der praktischen Umsetzung teilweise hinter ihren Ansprüchen zurück.

Oftmals spielen Angehörige eine bedeutende Rolle im Begleitungsprozess von Patientinnen und Patienten in der Palliative Care. Wie erleben Sie und Ihr Team die Zusammenarbeit?

JG: Angehörige sind oft eine wichtige Ressource für die Patientinnen, kommen in dieser Rolle aber auch oft an ihre Grenzen. Sie können neben den ärztlichen Gesprächen auch an den Angeboten der Musik- und Psychotherapie sowie Spiritual Care teilhaben. Sollten die Patientinnen versterben, kommen Angehörige oft zu unseren Gedenkfeiern und bei Bedarf auch in unsere ambulante Psychotherapie.

CP: Die Zusammenarbeit mit An- und Zugehörigen ist wertvoll und vielschichtig. Sie liefern wichtige Einblicke und unterstützen eine individuelle Betreuung. Gleichzeitig sind sie oft stark belastet, weshalb wir sie auch aktiv begleiten. Offene Kommunikation, Einbezug in Entscheidungen und gegenseitiger Respekt prägen die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem gemeinsamen Ziel einer würdevollen Begleitung.

Wie sieht die ideale Palliativversorgung der Zukunft in Ihren Augen aus?

JG: Paradoxerweise hat ausgerechnet die Region Basel keine Hospizstrukturen. Dies, obwohl eine solche, maximal relevante Struktur gerade in unserer urbanen Region besonders einfach zu realisieren wäre. Wir als Palliativzentrum stehen aber bereit, diese Lücke zu schliessen. Nach neun Jahren intensiver Arbeit habe ich aber mittlerweile das Gefühl, mein diesbezüglicher Herzenswunsch in den nächsten Jahren in Erfüllung gehen könnte.

CP: Die Palliativversorgung der Zukunft ist konsequent am Menschen orientiert, flexibel und für alle zugänglich. Individuelle Bedürfnisse stehen im Zentrum, unterstützt durch ein frühzeitiges Advance Care Planning.
Eine enge, digital vernetzte Zusammenarbeit aller Versorgungsbereiche sichert Kontinuität. Mobile Dienste, Telemedizin und Betreuung zu Hause gewinnen an Bedeutung. Palliative Care beginnt frühzeitig und begleitet parallel zu Therapien. Angehörige werden stärker unterstützt, interprofessionelle Zusammenarbeit gestärkt und ein offener Umgang mit Sterben gefördert – für eine würdevolle, selbstbestimmte Begleitung bis zuletzt.
Nicht zuletzt ist eine umfassende Finanzierung der palliativen Betreuung auf allen Ebenen die Grundlage für eine gesicherte und umfassende Versorgung.